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Über den Atem
Das westgermanische Wort „Atem“ ist verwandt mit altindisch ātman - „Hauch, Seele“ (Duden, Herkunftswörterbuch)
ātman wird als Seele, Weltseele, Wesen; Selbst übersetzt. (Wörterbuch Sanskrit – Deutsch).
„Von unwillkürlich und unbewusst wirkenden vegetativen Zentren gesteuert, aber zugleich dem Willen zugänglich, bildet die Atmung gleichsam die Brücke zwischen innen und außen, Ich und Es, Mensch und Leib. Durch sein Atmen kann der Mensch seinen ganzen Organismus in Verwirrung bringen oder ihn ordnen und harmonisieren.“(Jacobs, 1983, S. 176)
„Unter den Lebensvorgängen, die unmittelbar vom Verhalten des Menschen abhängen, ist die Atmung der wichtigste. Ohne Nahrung kann ein Mensch wochenlang leben, ohne Schlaf wenigstens einige Tage, ohne zu atmen nur Minuten. Die Atmung führt der Lebensflamme die Luft zu; versagt sie, so muss die Flamme erlöschen.
Die Lebensflamme brennt in der Zelle. Die Zelle atmet: sie nimmt Sauerstoff aus dem Blut auf und gibt Kohlensäure ab. Den Sauerstoff braucht sie für ihren eigenen, höchst komplizierten Stoffwechsel (…) Die Kohlensäure ist das giftige Endprodukt ihres Stoffwechsels, der „Rauch“ des Zellöfchens (…)
Die Zellatmung, die die Lebensflamme unterhält, ist der eigentliche Atemvorgang, die Lungenatmung nur eine Hilfseinrichtung, um diesen Lebensvorgang allen Zellen möglich zu machen (…)
Da von dem ganzen Atemvorgang nur die äußere Bewegung des Pumpwerks zum Bewusstsein kommt, neigt der Mensch dazu, sie für das eigentliche zu halten. „Atmen ist gesund“, damit meint man, je mehr Luft man mit Hilfe der Atemmuskeln in den Brustkorb hineinpumpt, umso besser werde der Körper mit Sauerstoff versorgt.
Das ist nicht so. Das Zellleben hängt ebenso von der Art der Atmung, der Qualität der Atembewegung ab wie von ihrer Quantität…Das grobe Pumpwerk der äußeren Atembewegung geht ja unmittelbar in das feine und empfindliche Getriebe des inneren Lebens über.“ (Jacobs, 1983, S. 177)
Quelle:
Jacobs, Dore: Die menschliche Bewegung, Kallmeyer: Wolfenbüttel, 1983.
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